Ensmannsreut

Geschichtliche Entwicklung von Ensmannsreut


Im Jahre 1010 schenkte König Heinrich seinem Reichskloster Niedernburg (Benediktinerinnen) einen weiten Streifen Land im "Nordwald" zwischen Passau und Böhmen. 1193 fiel das Gebiet als "Land der Abtei", zusammen mit dem Frauenkloster Niedernburg, an die Passauer Bischöfe, die damit eine eigene Landeshoheit begründeten. Es dauerte aber noch bis zum Jahre 1220, ehe es dem Passauer Fürstbischof Ulrich gelang, alle Rechte über das Gebiet uneingeschränkt zu übernehmen.


Während der hochmittelalterlichen Besiedlung des Nördwaldes entstanden auch im "Land der Abtei" zahlreiche Orte mit der Nachsilbe -reut, die an die harte Arbeit des Rodens und Urbarmachens erinnern. Dazu gehört auch das Bauerndorf Ensmannsreut, das nach einem "Enzimann" benannt ist.


Die erste urkundliche Erwähnung findet der Ort im Jahre 1236. Damals hatte der Passauer Bischof Rüdiger den verarmten Klosterfrauen in Niederburg mehrere Einkünfte zum Bezug von Fischen in der Fastenzeit zukommen lassen, darunter auch zwei Pfund Pfennig (480 Pfennig) von dem Dorf "Enczemannesrawte". 1298 gelang es den Ensmannsreutern, sich von einem Heudienst (Lieferung von Heu) freizukaufen, den sie dem Klostervogt zu leisten hatten.


Etwa um diese Zeit waren zwei Drittel des Gebietes des früheren Landkreises WoIfstein noch unbesiedelt. Der Wald war - vom Gebiet um Passau ausgehend - bis zu einer Linie zurückgedrängt, die von den Dörfern Wasching, Ringelai, Aigenstadl, Falkenbach, Solla, Schönbrunn und Oberndorf bei Freyung, Grillaberg, Atzesberg, Schlößbach, Fürholz, Exenbach, Solla bei Böhmzwiesel, Stadl, Reichling, Erlauzwiesel und Waldkirchen gebildet wurde.


Dieses Gebiet unterstand - mit Ausnahme des Marktes Waldkirchen, der ein eigenes Marktgericht besaß - seit 1593 dem Pflege- und Landgericht Leoprechting.


Der "Goldene Steig", der Salzhandelsweg von Passau über Waldkirchen, Böhmzwiesel und Fürholz führte in der Nähe des Ortes Ensmannsreut vorbei. Am Saumhandel (Saum = Pferdetraglast) auf dem Goldenen Steig beteiligten sich auch sieben Bauern aus Ensmannsreut. Nach einem Säumerverzeichnis aus dem Jahre 1538 waren dies: ein Hans, Thomas Veichtl, Hans Frischmann, Hans Heidl, Georg Peci (Pezi), Sigmund Veichtl und Gillig Leubl. Für die Bauern war dies ein willkommener Nebenerwerb, besonders im Winter.


Ensmannsreut gehörte seit jeher zu den größeren Bauerndörfern. Nach dem ältesten Niedernburger Urbar (Steuerbuch) von 1630 bestand der Ort aus' 7 Lehen (Anwesen mit Grundausstattung), die damals folgenden Bauern gehörten:


Leonhard Pronpeck (1 1/2 Lehen), Stephan Miedl, Paulus Url, Georg List, Nikolaus Lang, Bartholomäus Ammerl (je 1 Lehen) und Adam Janckho (1/2 Lehen). Die vorstehenden Namen finden sich noch teilweise in dem nachfolgenden Abschnitt über die Familien auf den einzelnen Hausnummern, den Hausnamen Pronpeck (Brabeck) gibt es noch heute.


Die Ensmannsreuter Bauern hatten jeweils am Dreikönigstag ( 6. Januar ) dem Kloster Niedernburg 1 Schilling. 24 Pfennige ''Gült " (Grundsteuer) und 7 Pfennige Königssteuer zu zahlen, dazu war dem Pfarrer der Zehent von den Feldfrüchten zu geben.


Ensmannsreut war Urbarialgut (Grundbesitz) des Klosters Niedernburg und gehörte zur Pfarrei Waldkirchen. Im Jahre 1708 bauten die Ensmannsreuter am alten Weg zum Markt- und Pfarrort Waldkirchen eine kleine Feldkapelle, wo die Dorfleute alle Samstage den Rosenkranz beteten. 1749 ist die Kapelle mit Unterstützung des baufreudigen Dekans Loraghi erneuert und innen mit barocken Fresken geschmückt worden. Sie barg ein Bildnis der Muttergottes von Altötting und wurde als lokale Wallfahrt gerne besucht, wie mehrere Votivbilder zeigten. Die Kapelle steht noch heute, doch wurden 1975 die künstlerisch wertvollsten Bilder und Figuren gestohlen.


Von größeren kriegerischen Auseinandersetzungen blieb unser Gebiet über Jahrhunderte hinweg verschont. Unter durchziehenden Kriegsleuten und Einquartierung derselben hatte vor allem der Pfarrort Waldkirchen zu leiden. So war das berüchtigte "Passauer Kriegsvolk" 1610/1611 über mehrere Monate hinweg in Waldkirchen einquartiert. Die umliegenden Dörfer sind wahrscheinlich kaum behelligt worden.


Großes Unglück brachten die mehrmals wiederkehrenden Pestepedemien, die vor allem während des Dreißigjährigen Krieges und in den darauffolgenden Jahren immer wieder die Bevölkerung heimsuchten. Es ist anzunehmen, daß auch Ensmannsreut ebenso wie die umliegenden Dörfer - von dieser Seuche nicht verschont blieb. Daß die Pest auch hier die Menschen dahinraffte, bezeugen die noch vielerorts erhaltenen Pestsäulen.


Von derartigen Notzeiten abgesehen, vollzog sich das Leben auf den Dörfern in stetem Wechsel von Aussaat und Ernte, von Geburt und Tod.


Das Ackerland wurde nach der Dreifelderwirtschaft bewirtschaftet. Die Fruchtfolge hieß: Wintergetreide -Sommergetreide - Brache. Angebaut wurde Winterroggen, Hafer und Sommerroggen. Winterweizen wurde kaum angebaut, weil das Klima hier zu rauh war. Der Anbau von Gerste bürgerte sich erst in diesem Jahrhundert ein. Auf einen Teil der Brachfläche wurde Rotklee eingesät und bei der Bestellung der Äcker für den Roggenanbau im Herbst wieder umgepflügt. Auch die seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts bei uns angebauten Kartoffeln wurden auf einem Teil der Brachfläche untergebracht, ebenso Weißkraut und Futterrüben. Große Bedeutung hatte lange Zeit der Flachsanbau. Die Weiterverarbeitung zu Garn und Leinwand für den Eigenbedarf und für den Verkauf erfolgte hauptsächlich in den Wintermonaten.


Bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts hatte sich in Ensmannsreut die Anzahl der Bauernanwesen durch Grundteilung und Zubauten auf 11 erhöht. Dazu kam noch ein gemeinsames Hirtenhaus. Die damaligen Hausnamen waren: Ammerl, Rohl, Schmalzbauer, Abraham, List, Krenn, Kern, Prombeck, Weber, Zaglauer und Schmalzbauernguthaus. Soweit die Namen jetzt nicht mehr gebräuchlich sind, ist doch bekannt, auf welchem Anwesen die inzwischen ausgestorbenen oder weggezogenen Familien ansässig waren.


Die Bauern in den Dörfern hatten in früheren Zeiten kein unbeschränktes Verfügungsrecht über Grund und Boden, sondern nur ein Nutzungsrecht, das aber vererbt werden konnte. Bei Besitzwechsel war eine hohe Veränderungsgebühr zu bezahlen. Es gab die jährliche Grundabgabe in Geld (Steuer) und Naturalien ( Zehent ) . Dazu kamen noch Hand- und Spanndienste (Robot). Erst im vorigen Jahrhundert wurden die Bauern durch das "radikale Gesetz" von 1848 zu uneingeschränkten Eigentümern von Grund und Boden. Seit der Neubildung der Gemeinden im Jahre 1818 gehörte Ensmannsreut zur Gemeinde Böhmzwiesel. Bei der Gebietsreform kam der Ort ab 01.01.1978 zur Stadt Waldkirchen. "Eingepfarrt " war Ensmannsreut über Jahrhunderte hinweg in die große Pfarrei Waldkirchen. Am 01.Dezember 1937 wurde die Expositur und spätere Pfarrei Böhmzwiesel gebildet, zu deren Sprengel Ensmannsreut nun gehört.


Von der Zugehörigkeit zur Gemeinde Böhmzwiesel gibt es aus früheren Zeiten kaum Aufzeichnungen, wenn man einmal von den Einträgen im Heirats-, Geburten und Sterbebuch, des ab 01.01.1876 gebildeten Standesamts Böhmzwiesel absieht.


Aus neuerer Zeit stammt der Bericht über den Straßenbau nach Ensmannsreut: Am 24. August 1951 beschloß der Gemeinderat Böhmzwiesel mit 7 gegen 1 Stimme den Bau einer Straße nach Ensmannsreut und Schlößbach. Mit einer Darlehensaufnahme in Höhe von 64.000 DM und Hand- und Spanndiensten sollte die Maßnahme finanziert werden. Die Grundbesitzer aus Ensmannsreut und Schlößbach hatten je Tagwerk Grundbesitz 2 1/2 Tagschichten zu erbringen, die Grundbesitzer in den übrigen Dörfern der Gemeinde jeweils einen halben Tag pro Tagwerk Grundbesitz. Es war auch eine Ableistung in Geld möglich, wobei 8, - DM für einen Arbeitstag und 20, - DM für einen Tag Arbeit mit einem Zweiergespann gerechnet wurden.


In den Feldern von Ensmannsreut und Schlößbach wurden durch Sprengungen Steine für den Unterbau der Straße gewonnen.


Den Bau selbst führte die Baufirma Detzer aus Passau durch. Nach Aufnahme eines weiteren Darlehens im Jahre 1953 konnte die Straße nach zweijähriger Bauzeit im Herbst 1953 ihrer Bestimmung übergeben werden. Sie hatte eine Breite von drei Metern.



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